112. Auktion

10.5.2025

Lot 35

J. F. Richter in Görlitz / Johann Heinrich Seyffert in Dresden

Dresdner Sekundenpendeluhr von außergewöhnlicher historischer Bedeutsamkeit für die Epoche der Präzisions-Zeitmessung in Dresden. Diese Bodenstanduhr wurde von J. F. Richter in Görlitz höchstwahrscheinlich aus dem Nachlass Seyfferts gekauft und fertiggestellt

Verkauft

schätzpreis
11.00020.000 €
Realisierter Preis
8.000 €
Merkmale
Gehäuse
Kiefer, ebonisiert, profiliert, dreiseitig verglast, geschwungener, profilierter Giebel.
Zifferblatt
Versilbertes Regulatorzifferblatt mit großer oben liegender kleiner Sekunde und segmentförmigem Ausschnitt für digitale Stundenanzeige I-XII; gebläute Stahlzeiger für Zentralminute und Sekunden; signiert "J. F. Richter in Görlitz".
Werk
Gewichtsantrieb nach Huygens über vorneliegende Schnurrolle mit Gesperr; schmales, massives T-förmiges Messingwerk mit nur vier Rädern; Graham-Hemmung; Kompensations-Rostpendel mit fünf Stahl- und vier Messingstäben und Thermometer, schwere Messing-Pendellinse an Federaufhängung.
Maße440 x 2100 x 250 mm
Circa1800/1825
LandDeutschland


Ein vergleichbares Objekt stellt die astronomische Bodenstanduhr Nr. 5 um 1801 von Seyffert dar, die sich in der Sammlung des Mathematisch-Physikalischen Salons im Dresdner Zwinger befindet.


Johann Heinrich Seyffert (1751-1817) war zu seiner Zeit wohl der bedeutendste Uhrmacher Sachsens, obwohl er vermutlich keine Meisterprüfung ablegte. Nach dem Tod seines Vorgängers Köhler wurde Seyffert Anfang 1801 Inspektor des Mathematisch-Physikalischen Salons. Seyffert gilt als "heimlicher und unernannter" Hofuhrmacher König Friedrich August I., welcher auch verhinderte, dass die Dresdener Kleinuhrmacherinnung ihn wegen seines mangelnden Ausbildungsnachweises die Ausübung des Handwerks untersagten. Seyffert verkaufte die meisten seiner Uhren an die königliche Familie, Wissenschaftler und Forscher. So verkaufte er beispielsweise einen bedeutenden Taschenchronometer von bemerkenswerter Ganggenauigkeit an Alexander von Humboldt.
Die herausragende Bedeutung des heimlichen Hofuhrmachers Johann Heinrich Seyffert, der die meisten seiner Uhren an die Familie des Kurfürsten und späteren Königs Friedrich August I. verkauft hat, spiegelt sich in der Publikation "Dresden - in der Geschichte der Uhrmacherei" (Erinnerungsausgabe zum 50 jährigen Jubiläum der Firma Robert Pleissner, Dresden 1924) von Paul Pleissner (S.14) wieder:
"In der Kette der Entwicklung der Dresdner Uhrmacherei tritt uns zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem ... Johann Heinrich Seyffert entgegen. ... Seyffert war gleichfalls eigener Pfadfinder in der Uhrmacherei... . War er für seine Zeit der unernannte Uhrmacher des Hofes, und kam selbst Alexander von Humboldt zu ihm, um Seyffertsche Chronometer als Beobachtungsuhren mit auf seine Reisen zu nehmen, so ist heute kein Zweifel, dass Dresden zu seiner Zeit keinen geschulteren und höherstrebenden Uhrmacher besaß als ihn. Er pflegte nur die technisch höher entwickelte, namentlich wissenschaftlichen Arbeiten dienende Uhr. Zu diesem Zwecke mühte er sich stets um vollkommenste Hemmungen. Allen Schmuck am Werke war er abhold. Er stand mit den bekanntesten französischen Uhrmachern, so mit dem Hause Breguet, in Verbindung. Die wenigen erhaltenen Arbeiten aus seiner Hand .... sind durchweg vornehme Arbeiten, die eine ernstere fachtechnische Ausbildung förmlich voraussetzen."