110. Auktion

18.5.2024

Lot 313

Julien Le Roy

Dekorative Pariser Spindeltaschenuhr mit Viertelrepetition im dreifarbigen Goldgehäuse

Verkauft

schätzpreis
2.8004.500 €
Realisierter Preis
3.200 €
Merkmale
Gehäuse
18 kt Gold, "à trois couleurs", aufwändig ornamentiert, Bodenglocke.
Zifferblatt
Email, Rand mit Inschrift: "Inventé par Jul. Le Roy / en 1740 et Le Rouage en 1755".
Werk
Vollplatinenwerk, Kette/Schnecke, 2 Hämmer, dreiarmige Stahlunruh, gravierte und durchbrochen gearbeitete Unruhbrücke mit den Initialen "J.L.R.".
Maße45 mm
Circa1760
LandFrankreich
Gewicht93 g


Die Rückseite ist verziert mit einer mit Blumen gefüllten Vase, umgeben von einem Kranz aus Lorbeerblättern, bekrönt von einer Schleife. Der Rand ist durchbrochen gearbeitet, um den Klang der Viertelstundenrepetition zu verbessern. Die Repetition erfolgt durch Niederdrücken des Pendants.
Die Inschrift "Inventé par Julien Le Roy en 1740" bezieht sich auf die Erfindung des sogenannten "à bâte levée", eine neue von Julien Le Roy entwickelte Anordnung, die dem Repetitionsmechanismus mehr Platz gewährt. Diese Erfindung wurde bald von den meisten Uhrmachern übernommen und eingesetzt. Die Jahreszahl 1755 bezieht sich auf die Erfindung der "Alles-oder-nichts-Sicherung" bei Repetitionsschlagwerken (siehe Ch. Allix und G. Brusa : Antiquarian Horology, Juni 1972).


Die führende Rolle der französischen Uhrenfertigung des 18. Jahrhunderts wurde entscheidend durch den herausragenden Uhrmacher Julien Le Roy (1686 -1759) geprägt. Er wurde 1713 zum Meister avanciert, präsentierte 1717 in der Académie Royale des Sciences eine Äquationsuhr und wurde 1739 königlicher Hofuhrmacher mit eignenen Räumen im Louvre. Er entwickelte den verstellbaren Kloben für das Hemmrad bei Spindeluhren ("potence"), den Repetitionsschlag der Taschenuhren auf Federn statt Glocken oder die "Alles-oder-nichts-Sicherung" bei Repetitionsschlagwerken. Seine Erfindungen und Verbesserungen waren von so weitreichender Bedeutung, dass viele Uhrmacher sie sofort in ihre Uhren übernahmen. Julien Le Roy war Direktor der "Société des Arts" und lieferte zusammen mit seinem Sohn die Beiträge über Uhren für die Encyclopédie von Diderot und d'Alembert.
Sein Sohn Pierre Le Roy (1717-1785) war einer der bedeutendsten französischen Uhrmacher und Erfinder. Zusammen mit Ferdinand Berthoud war Le Roy führend in der Entwicklung der Chronometerhemmungen. Er schuf eine Temperaturkompensation durch eine Bimetall-Unruh mit justierbaren Masseschrauben und der isochronen Unruhspirale. Seine Entwicklungen schufen die Grundlage für heutige mechanische Chronometer.